Eine sächsische Konferenz macht Schule

Der Einladung zur Ersten Sächsischen Schulfahrtenkonferenz 2007 in Dresden folgten gut 120 Teilnehmer. Eingeladen hatte die AG Kinder- und Jugendtourismus Sachsen, zu der auch der DJH Landesverband Sachsen zählt, unter dem Dach der TMGS Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH. Insgesamt 1.800 sächsische Schulen wurden angesprochen, denn Kultusminister Steffen Flath war die persönliche Teilnahme wichtig. Nach seiner Eröffnungsrede weilte der Schirmherr zwei Stunden bei der Konferenz und zollte dieser damit große Wertschätzung.

72 Lehrerinnen und Lehrer, sowie 47 Teilnehmer der Regionalschulämter, dem Sächsischen Ministerium für Kultus (SMK), Elternvertretungen, der Landesschülerrat, pädagogische Fachpresse, Anbieter von Kinder- und Jugendübernachtungseinrichtungen und touristisch bedeutsame Freizeiteinrichtungen waren gekommen, um über den neuesten Stand in Sachen Schulfahrten unterrichtet zu werden, die aktuellen qualitativen Standards kennen zu lernen, miteinander zu diskutieren, sich Anregungen zu holen und/oder für Schulfahrten neu motiviert zu werden.

Der Schirmherr: Kultusminister Steffen Flath.

Nach Jahren des Anstiegs der Reisen von Kindern und Jugendlichen ohne Eltern, war 2003 erstmals ein starker Rückgang bei Kinder- und Jugendreisen in sächsischen Beherbergungseinrichtungen zu beobachten. Besonders die Segmente Schul- und Klassenfahrten sowie Ferienlager/Feriencamps waren davon betroffen. Als Ursache dafür wird vor allem die negative demografische Entwicklung bei der Zielgruppe der 8- bis 18jährigen angesehen. Aber auch die unzureichenden Einkommens- situationen vieler Familien sowie wegfallende öffentliche Zuwendungen für Kinder- und Jugendreisen zählen zu den Gründen der negativen Entwicklung. Eine weitere problematische Beeinflussung der Klassenfahrten erfolgte durch das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, nach dem allen Lehrern bei Klassenfahrten die Reisekosten voll erstattet werden müssen. Da die öffentlichen Haushalte dies in der notwendigen Höhe nicht decken konnten, gab es zahlreiche Stornierungen von bereits gebuchten Schulfahrten bzw. Nichtgenehmigung neuer Klassenfahrten in Sachsen. Die bisher gängige und auch weiterhin praktizierte Bereitstellung von Lehrerfreiplätzen durch die Leistungsträger konnte die Situation nur teilweise entschärfen.

Die AG Kinder- und Jugendtourismus Sachsen hatte sich zum Ziel gesetzt, durch die Bündelung der Aktivitäten diese gemeinsamen Probleme unter dem Dach der TMGS besser lösen zu können, wobei die Konferenz neben Messeaktivitäten und der Broschüre „Auf ins Abenteuerland! Kinder- und Jugendreisen in Sachsen“ einen Baustein darstellt. Der Geschäftsführer der TMGS, Hans-Jürgen Goller, informierte nach der Begrüßung des Kultusministers über die touristischen Qualitäten des Landes Sachsen und die Teilnehmer wurden mit einem sehr ansprechenden Imagefilm auf das Thema eingestimmt. Monika Gatzke, langjähriges Vorstands- bzw. Präsidiumsmitglied des DJH Landesverbandes Sachsen und Bildungsreferentin des Regionalschulamtes Leipzig, zog dann durch ihre persönlichen Erfahrungen die Zuhörer locker und gleichzeitig anspruchsvoll in ihren Bann, wobei sie sehr eindrucksvoll über die pädagogischen Inhalte einer Schulfahrt referierte.

Der Einladung zur 1. Schulfahrtenkonferenz waren etwa 120 Menschen gefolgt.

Der beim DJH bestens bekannte Norbert Krause von der Bildungsstättenberatung Hersbruck gab im Anschluss einen Überblick über Kinder- und Jugendübernachtungsstätten in Sachsen. Dabei lieferte er den Entscheidern praktische Tipps für die Häuserauswahl, wobei er die jeweilige Eignung der unterschiedlichen Einrichtungen für Schulfahrten, ihre Charakeristika und ihre Qualitätsstandards sachlich präsentierte. Krause betonte, dass die Zusammenarbeit der einzelnen Träger in Sachsen bundesweit einmalig sei und einen enormen Vorteil für die Lehrer darstelle. Die 7-10 Mio. Übernachtungen in diesem Segment deutschlandweit seien zudem ein enormer Wirtschaftsfaktor. In Sachsen beträgt die maximale Schulfahrtendauer 10 Tage. 3-Tages-Fahrten wurden als problematisch eingestuft, da man weder die Klasse zur Ruhe, noch Gruppenprozesse in Gänge bekäme. Im Mai und Juni sei volle Auslastung, jedoch solle man dringend auch andere Zeiten in Erwägung ziehen, wie das beispielsweise in Bayern praktiziert würde, wo über das gesamte Jahr verteilt Schulfahrten stattfänden, die nicht allein touristisch ausgerichtet wären.

Der dann avisierte Vortrag zu Lernpotentialen bei Schulfahrten aus Sicht der Elternschaft durch den Bundeselternratvorsitzenden entfiel aufgrund des kurzfristigen Rücktritts des Referenten. Diese Inhalte konnten jedoch gut in der Abschlussdiskussion kompensiert werden, an der u. a. der Landeselternrat Sachsens die Elternschaft repräsentierte. Die Diskussionsrunde, moderiert von einer Journalistin der Sächsischen Zeitung, zeigte sehr eindeutig, wie unterschiedlich die Thematik „Schulfahrten“ vor Ort in den jeweiligen Schulen behandelt wird und wie wenig der bereits 2004 herausgegebene Schulfahrtenerlass an der Basis angekommen ist. Wer über Schulfahrten beschließt, wohin die Reise geht, ob ins Ausland oder die Region, ob man überhaupt auf Schulfahrten Wert legt und wie gut man über die Inhalte informiert ist, zeigte ein großes Spektrum auf, das keine Einheitlichkeit erkennen ließ und sehr von der jeweiligen Einsatzbereitschaft der handelnden Personen abhängt.

Spontanen Applaus erhielt eine engagierte Lehrerin einer Behindertenschule, die seit Jahren Schulfahrten trotz der schwierigen Umstände organisiert. Ihre Entscheidung, mit den Schülern auch mal eine Türkeireise zu machen, begründete sie damit, dass in diesem speziellen Fall sie das bewusst machte, da die Kinder sonst kaum jemals über die Landesgrenzen hinaus kämen. Dieses Beispiel zeigte sehr anschaulich, dass es auch bei Schulfahrten individueller Entscheidungen bedarf, die im Allgemeinen falsch, im Besonderen richtig sein können.

Während der Pause hatten die Gäste die Möglichkeit, sich an den aufgebauten Ständen aller Anbieter effizient und zeitsparend breit über das Thema Schulfahrten zu informieren, was von allen Beteiligten als hilfreich eingestuft wurde, so dass die Veranstalter nach Abschluss der Konferenz zufrieden mit dem Ergebnis waren und beschlossen, eine zweite Veranstaltung dieser Art 2008 auf noch breiterer Ebene zu generieren.

Konkrete Inhalte und Arbeitsergebnisse wurden in einer Dokumentation zusammengefasst. Bei Interesse senden wir Ihnen diese gern zu.
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